Lars David Kellner

München: Janáčeks »Album für Kamila Stösslová« - Ein Wort-Musik-Tagebuch einer großen Liebe

München, Arcisstr. 12

Der tschechische Komponist Leoš Janáček zeigte seine größte schöpferische Kraft in seiner letzten Lebensdekade. Ein nicht unwesentlicher Grund hierfür scheint dabei seine Liebe zu Kamila Stösslová gewesen zu sein: Eine verheiratete Frau, 37 Jahre jünger als er, Mutter von zwei Kindern. Zweifellos ungünstige Rahmenbedingung für eine (wie auch immer geartete) Beziehung! Und trotzdem: Gerade sie hatte sich Janáček als seine Muse auserkoren, und dem Verhältnis zwischen Leoš Janáček und Kamila verdanken wir letztendlich die schier unerschöpfliche Inspiration und Vitalität des Komponisten.

Von jeder Liebe bleiben auch schriftliche Spuren, in diesem Fall in einem kleinen Büchlein mit Leder-Einband: Hierin hinterließ Janáček während der letzten eineinhalb Jahre seines Lebens zahlreiche Einträge - und zwar jedes Mal, wenn er zu Besuch bei ‚seiner‘ Kamila war. So entstand eine Art musikalisches Poesiealbum. Es enthält sowohl Prosa als auch kurze, z. t. fragmentarische Musikstücke. Im Album finden wir auch letzte Worte des Komponisten an seine Geliebte, darüber hinaus auch Janáčeks finale musikalische Einfälle.

Dieses wertvolle Dokument des großen tschechischen Komponisten blieb aufgrund seines sehr persönlichen Gehaltes jahrzehntelang unberührt. Selbst seit der Veröffentlichung – 50 Jahre nach dem Tod beider Protagonisten – wurde Janáčeks »Album für Kamila Stösslová« immer noch wenig Beachtung geschenkt. Dies überrascht, denn im Album finden sich bemerkenswert authentische, bisweilen vor Leidenschaft sprühende Inhalte, sowohl verbaler als auch musikalischer Natur. Vielleicht erleben wir Leoš Janáček gerade in diesem Schriftstück quasi in Reinkultur: Ungefiltert, unzensiert.

Der Pianist Lars David Kellner hat bereits im Jahr 2013 einige Stücke aus dem »Album« u. a. im Gasteig München uraufgeführt. Nun möchte der Künstler sämtliche Musikstücke und alle relevanten Textpassagen in einen künstlerischen Kontext bringen. Verwendung finden dabei die beiden Tasteninstrumente, an die Janáček wohl bei der Instrumentierung gedacht hat: Klavier und Harmonium. Hierauf erklingen seine erotisch aufgeladenen Klanggebilde höchster Ausdruckskraft, darunter ein ‚Liebeslied‘, diverse Sprachmelodien sowie einige kürzere oder fragmentarische Werke. Die Stücke werden durch die entsprechenden Textpassagen in einen schlüssigen und spannenden Zusammenhang gebracht.

Sicherlich eine Aufführung, die man so noch nie gehört hat!

Musik: Lars David Kellner (Harmonium, Klavier)

Sprecher: Jerzy May (als Leoš Janáček) & Susanne Sperrhake (als Kamila Stösslová)

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Tschechischen Zentrum München.

Veranstaltungsort:

München, Arcisstr. 12