Lars David Kellner

Universität Regensburg: Max Regers Romanze a-moll – das Musikstück der Woche, gespielt von Lars David Kellner

Universität Regensburg

Universität Regensburg - Das Musikstück der Woche: Max Regers Romanze a-moll WoO IV/11

„Grund genug, dieses Werk in der Reihe „Musikstück der Woche“ vorzustellen, gespielt von Lars David Kellner.“


Das Musikstück der Woche

Mit dem „Musikstück der Woche“ stellen Mitglieder des Instituts für Musikwissenschaft während der Vorlesungszeit einmal wöchentlich eine Höranregung mit persönlicher Note online – zum Nachhören, Anregen-Lassen und Weiter-Entdecken. Wir freuen uns über Feedback!

Konzept: PD Dr. Michael Braun

Aktuelles Musikstück der Woche

13.–19. 4. 2026: ausgesucht von Sigrid Bloch

Für die 13. Podcast-Folge mit dem Thema „unbekannte Musikinstrumente“ war Lars David Kellner für ein Interview zu Gast; er stellte das Harmonium bzw. das Kunstharmonium vor. Die Besonderheit dieses Instruments ist die Möglichkeit der Lautstärkeveränderung, die nicht wie beim Klavier durch die Anschlagsdynamik erfolgt oder nur durch entsprechende Registerzüge wie bei der Orgel, sondern durch die erhöhte oder verminderte Luftzufuhr durch die Fußpedale und die „Schwellschlitze“, die sich durch Kniehebel öffnen und schließen lassen. So ist auch bei Liegetönen oder -akkorden ein An- und Abschwellen der Lautstärke realisierbar. Im Laufe des Gesprächs kamen wir auf Komponisten zu sprechen, die für das (Kunst-)Harmonium Musik geschrieben haben. Herr Kellner informierte über sein Quellenstudium und berichtete von Originalkompositionen u.a. von Franz Liszt, Leoš Janáček, Sergei Rachmaninow, Max Reger und Sigfrid Karg-Elert. Er erläuterte, dass bei den Werken oft vermerkt ist, für welches Instrument bzw. für welche Instrumente es gedacht ist. So finden sich in den Partituren Hinweise wie „für Klavier oder Harmonium“ oder „für Orgel oder Harmonium“ oder einfach nur „für ein Tasteninstrument“. Für den Ausklang des Podcasts wünschte er sich als Hörbeispiel für das „Kunstharmonium“ die Romanze a-Moll, WoO IV/11 von Max Reger. Grund genug, dieses Werk in der Reihe „Musikstück der Woche“ vorzustellen, gespielt von Lars David Kellner.

Die Anzahl der Originalkompositionen von Max Reger für Harmonium bzw. Kunstharmonium ist überschaubar: Es gibt nur zwei Werke für diese Instrumente, nämlich die Fughette a-Moll WoO IV/18 (komponiert 1901/02) und eben die Romanze a-Moll für Harmonium bzw. Orgel WoO IV/11, entstanden 1904. Weitere Werke Regers für Harmonium sind Bearbeitungen von eigenen Kompositionen – vor allem von Liedern –, aber auch Bearbeitungen von (damals) populären und beliebten Musikstücken anderer Komponisten, wie z. B. die Sammlung Ausgewählte Stücke klassischer und moderner Meister für Harmonium bearbeitet(1898/1899). Dazu wurden viele Werke Max Regers von anderen Musikern – wie u.a. von seinem Vater Josef – für Harmonium bearbeitet.

Heute findet man ein Harmonium meist in kleinen Kapellen als Ersatz für eine große (und teure) Pfeifenorgel. Es ist ein Tasteninstrument, das ganz ohne Strom auskommt, da die/der SpielerIn den Luftstrom, der die frei schwingenden Metallzungen bewegt, durch ständiges Treten von Fußpedalen selbst erzeugen muss. Zu Lebzeiten Max Regers stand in jedem gutbürgerlichen Hause kein Klavier, sondern ein Harmonium, da es kostengünstiger, leichter zu transportieren war und kaum Wartung bedurfte: Um 1900 wurden in der westlichen Welt doppelt so viele Harmonien verkauft wie Klaviere.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch im Elternhaus von Max Reger zuerst eine kleine Hausorgel stand, die aber in den 1890er Jahren durch ein Harmonium ersetzt wurde. Denn schon Josef Reger, der Vater von Max, war ein passionierter Harmonium-Spieler.

Max Reger lebte ab 1901 in München, wo er an der Königlichen Akademie der Tonkunst lehrte und als Komponist sowie als Pianist tätig war. Doch auch im Münchner Hausstand war ein Harmonium unerlässlich. In einem Brief vermerkte er: „Ins Musikzimmer muß unbedingt noch ein Harmonium!“

Für die Romanze a-Moll, unser „Musikstück der Woche“, erhielt Max Reger als „Gegengabe“ vom Piano- und Harmonium-Fabrikanten M. J. Schramm ein eigens angefertigtes „neues Pedalharmonium mit 2 Manualen, Pedal […], so groß, daß auch ein 8' im Pedal ist; (neben 16')“, wie er selbst in einem Brief berichtete. Diese sog. Hofberg-Orgel steht heute im Max-Reger-Institut in Karlsruhe (Durlach).

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